Welch eine Feierstunde für den berühmtesten Sohn Ostercappelns unter dem Dach der Ludwig-Windthorst-Schule! Bereits zwei Tage vor dem 200. Geburtstag unseres Namensgebers gab sich viel kirchliche und politische Prominenz ein Stelldichein in unserer Aula, um den Festvortrag „Kirchentreu und selbstbewusst“ vom parlamentarischen Staatssekretär und Vorsitzenden der Ludwig-Windthorst-Stiftung, Dr. Hermann Kues, zu hören. Für ein würdiges Rahmenprogramm und für weitere Highlights sorgten unsere Schülerinnen und Schüler mit gekonnten musikalischen Einlagen sowie mit der kurzweiligen Präsentation unseres Projekttages.

Bürgermeister Rainer Ellermann begrüßte die rund 300 Gäste im Namen der Gemeinde Ostercappeln. In der ersten Reihe saßen u.a. der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments Hans-Gert Pöttering, der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Fritz Brickwedde, der Landtagsabgeordnete Clemens Lammerskitten sowie der Verlagsleiter des Kirchenboten Osnabrück Theo Mönch-Tegeder.

 Herr Ellermann erinnerte besonders an Ludwig Windthorsts Kindheit auf dem Caldenhof und an dessen erste Schuljahre in der örtlichen Mädchenschule. Anschließend setzten Angelina Stiller (Altflöte) im Duett mit Matthis Wagenleitner (Klavier), gefolgt von Florenz Knippen (Klavier) mit sanften Stücken erste musikalische Glanzlichter und ebneten auf ihre Weise dem Hauptredner Dr. Hermann Kues den Weg.

            In seinem kurzweiligen und auch für die Schüler gut verständlichen Vortrag beleuchtete Dr. Kues primär drei Punkte, die Ludwig Windthorst nicht nur für heutige Politiker, sondern auch für alle engagierten Staatsbürger zu einem Vorbild machen:

1.    Im Verhältnis von Kirche und Staat war Windthorst stets ein Vorbild für ein partnerschaftliches Miteinander, d.h. sein Handeln war in weltlich-politischen Fragen unabhängig. Auf christlicher Grundlage fühlte er sich den Wählern verpflichtet, und nicht etwa dem Papst. Dennoch hielt er es für die Pflicht der Kirche, sich in gesellschaftliche Fragen einzumischen.

2.    Als Gegenspieler von Reichskanzler Otto von Bismarck setzte sich Windthorst im Kulturkampf gegen die Unterdrückung der katholischen Kirche ein. Mit seinem Credo „Ihr könnt unsere Herzen verletzen, aber ihr könnt uns nicht den Glauben nehmen“ schweißte er die Katholiken noch enger zusammen.

3.    Er verlor auch die damalige Unterdrückung weiterer Minderheiten wie die der Juden oder der eingedeutschten Polen nicht aus den Augen. Stets forderte er die gleichen Rechte für alle Bürger.

Dr. Kues schloss seinen Vortrag mit der Erinnerung an Windthorsts Grundsatz, dass es Rechte gebe, die älter als der (aktuelle) Staat seien. Ein politisch engagierter Christ könne daher weder antieuropäisch noch ausländerfeindlich sein.

            Nach dem Vortrag stand der Festakt nun ganz im Zeichen unserer Schule. Dennis Neufeld trug mit seinem Akkordeon einen Walzer vor, der zu Windthorsts Zeiten gerade en vogue war. Es folgte die Präsentation, die unsere Schüler am Projekttag kurz vor den Weihnachtsferien erarbeitet und auf Plakaten festgehalten hatten: Nach dem Drehbuch von Stephanie Alschner betrat Olivia Vaubel (6R2) die Bühne, schaute auf ein aufgehängtes Bildnis des Jubilars und fragte: „Wer ist das denn?“ „Ja, kennst du den denn nicht? Das ist Ludwig Windthorst, der Namensgeber unserer Schule“, antwortete Anatolij Klisin. Zwischen den beiden entwickelte sich ein interessantes Fragespiel. Die Antworten gaben jeweils Vertreter unserer Haupt- und Realschulklassen der Jahrgangsstufen 7-10. In ca. einer Minute präsentierten sie mithilfe der am Projekttag erstellten Plakate die Erkenntnisse, die unsere Klassen im Dezember zu den verschiedenen Themen gewonnen hatten. In Ergänzung des gerade gehörten Vortrags ergaben sich für viele Zuhörer neue Aspekte des charismatischen Zentrumspolitikers. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass der kleinwüchsige Überflieger mit seinem viel gepriesenen scharfen Verstand einmal eine Klasse wiederholen musste?

            Alle Schülerinnen und Schüler, die zu zweit oder zu dritt die Bühne betraten, wurden mit großem Applaus belohnt. Die nach und nach aufgehängten Plakate ergaben schließlich eine Mindmap, die sich um Windthorsts Portrait bildete und nach dem Auftritt unserer Schüler viele interessierte Leser anzog. Diese fanden den „Helden des Tages“ eingebettet in die politischen und sozialen Gegebenheiten und Lebensumstände des 19. Jahrhunderts. Aus dieser Perspektive heraus wurden Windthorsts politische Haltungen und Handlungen verständlich.

            Den offiziellen Teil der Veranstaltung beendete Schulleiter Hans-Peter Rehme. Er bedankte sich nicht nur bei Herrn Kues für dessen Vortrag, sondern auch bei allen beteiligten Planungshelfern der Gemeinde Ostercappeln, bei allen Lehrerinnen und Lehrern der LWS und bei den Schülerinnen und Schülern, die auf der Bühne in Wortbeiträgen und musikalischen Einsätzen glänzten. Ein Dank ging auch an die Zehntklässler, die im Anschluss an die Darbietungen die Gäste mit Getränken versorgten und bei der Ausgabe der Gulaschsuppe halfen. Die Schulband stimmte die Gäste auf den folgenden Imbiss ein, den dann Andrea Böhning und Justin Stammberger am Klavier musikalisch untermalten.

            Die eindrucksvolle Präsentation unserer Schülerinnen und Schüler wurde von allen Seiten gewürdigt. Während des Mittagsessens lobte Bischof Bode, die Aufführung sei „sehr gut gelungen“ und Tischnachbar Clemens Lammerskitten pflichtete bei, die Schule habe sich „ausgezeichnet präsentiert.“

 

Auch das Wittlager Kreisblatt berichtete