Die Errichtung und Unterhaltung von Schulen ist heute eine der wichtigsten Aufgaben für eine Gemeinde. Das war im Lauf der Jahrhundert nicht immer so, denn dieser Aufgabe haben sich auch Geistliche und begüterte Familien gewidmet. So ist die Gründung einer Schule für das Kirchspiel Ostercappeln im Jahre 1614 auf eine Stiftung der Witwe Gertrud von Ledebur zurückzuführen.

            In der Ortschaft Haaren war der Domherr Georg Klecker ein Förderer des ländlichen Schulwesens. Er gründete um 1730 eine eigene Schule für seinen Heimatort. Ähnliche Schulgründungen – so genannte Nebenschulen – erfolgten auch in Hitzhausen, Herringhausen und Schwagstorf. Sie dürften ebenfalls durch die Initiative der Ostercappelner Geistlichen entstanden sein. Diese kleinen Landschulen, die meistens nur von einem Lehrer oder einer Lehrerin geleitet wurden, haben bis weit in das 20. Jahrhundert hinein bestanden.

            Die Arbeit eines Lehrers an einer einklassigen Landschule war eine pädagogisch und organisatorisch schwierige Tätigkeit, vor allem auch wegen der oftmals hohen Schülerzahl. Es war ihm kaum möglich, allen Begabungen und Interessen gerecht zu werden.

                        Den ersten bedeutsamen Einschnitt in diese Schullandschaft gab es nach 1960. Durch den Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg veränderten sich die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland schnell und nachhaltig. Es stellte sich zunehmend die Frage, ob diese kleinen Schulen den ständig wachsenden Anforderungen der Gesellschaft noch gewachsen sein würden.

            Im Jahre 1957 wurden daher auf einer Tagung mit Vertretern des Niedersächsischen Kultusministeriums, der Gemeinden, des Landvolks, und der Lehrerverbände Maßnahmen zu einer grundlegenden Reform des ländlichen Schulwesens erörtert. Das Ergebnis war eine Verordnung des Kultusministers zur "Förderung der Landschule" vom 17. 7. 1958. Damit begann für die Entwicklung der Landschule ein neuer Weg, der 1962 mit der gesetzlichen Einführung des 9. Schuljahres begann. Er musste in Jahrgangsklassen geführt und konnte daher nur an zentralen Orten eingerichtet werden.

               In Ostercappeln erhielten die evangelische und katholische Volksschule 9. Klassen. Beide Schulen nahmen auch die Schüler aus Haaren, Hitzhausen, Herringhausen und Schwagstorf auf. In den folgenden Jahren wurden dann nacheinander die weiteren Jahrgänge abgeschult, so dass im Jahre 1973 alle Kinder aus Haaren die Mittelpunktschule in Ostercappeln besuchten.

            Der Fachunterricht, der zunehmend von eigens dafür ausgebildeten Lehrern erteilt wurde, gewann in diesen größeren Schulen eine große Bedeutung. So wurde auch die Einrichtung von Fachräumen, z. B. für Hauswirtschaft, Werken und Physik, notwendig, und auch die erste Turnhalle in Ostercappeln wurde 1969 errichtet.

            Nach einer Abstimmung der Eltern wurden 1969 die beiden Ostercappelner Mittelpunktschulen zu einer "Schule für Schüler aller Bekenntnisse" zusammengeführt. Diese Schule behielt den Namen „Ludwig-Windthorst-Schule“, den die katholische Volksschule 1964 anlässlich ihres 350jährigen Schuljubiläums erhalten hatte.

            Diese neue Schule erhielt gleichzeitig die "Förderstufe“ für die fünften und sechsten Klassen, eine Vorstufe der späteren Orientierungsstufe. Diese wurde im Jahre 1975 für alle Schüler der 1972 gebildeten Gemeinde Ostercappeln eingeführt, also auch für die Schüler aus Schwagstorf und Venne. Der Übergang zu den weiterführenden Schulen – Hauptschule, Realschule, Gymnasium – wurde somit auf die Klassen 7 verschoben. Zwangsläufig stieg auch die Gesamtschülerzahl beträchtlich, sie erreichte im Jahre 1976 mit 650 Schülerinnen und Schülern ihren Höhepunkt. In Ostercappeln wurden aus diesem Grunde immer wieder Erweiterungsbauten notwendig, während die Schulen in Haaren, Hitzhausen und auch Herringhausen geschlossen und verkauft wurden.

            Im Jahre 1994 erhielt die Schule einen Realschulzweig, der für die Gemeinde Ostercappeln eine erhebliche Aufwertung des Schulstandortes und für viele Schüler eine erhebliche Verkürzung des Schulweges bedeutete. Gleichzeitig wurde die Grundschule am Wiehengebirge als selbständige Schule abgetrennt und bezog ein neues Schulgebäude in unserer Nachbarschaft.

            Die Orientierungsstufe wurde im Jahr 2003 aufgelöst; die Schüler besuchten wieder die Eingangsklassen der Haupt- und Realschule oder das Gymnasium. Die Konsequenz war eine Abnahme der Schülerzahl von bisher etwa 580 auf jetzt etwa 490.

Zum Schuljahresbeginn 2005/06 wurde die Ludwig-Windthorst-Schule Ganztagsschule, d.h. die Schüler können freiwillig am Ganztagsangebot teilnehmen.

            Im April 2006 konnte die Schule ihre neue 3-Feld-Sporthalle in Betrieb nehmen.

            Mit Beginn des Schuljahres 2011/12 erfolgte die Umwandlung der Haupt- und Realschule in eine Oberschule. Dies bedeutet, dass alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihren Schullaufbahnempfehlungen gemeinsam unterrichtet werden. Während der Unterricht in den fünften Klassen grundsätzlich gemeinsam erteilt wird, erfolgt in den sechsten Klassen eine äußere Differenzierung in den Fächern Mathematik und Englisch. Ab der siebten Klasse kommen Differenzierungskurse im Fach Deutsch hinzu. Die Schüler erwerben weiterhin in der 10. Klasse den Haupt- und den Realschulabschluss sowie den erweiterten Sekundarabschluss I. Der Unterricht ist für alle Oberschüler an zwei Nachmittagen verbindlich, freiwillige Ganztagsangebote finden auch weiterhin für alle Interessierten statt.

Im Herbst 2013 wurde die neue Mensa eingeweiht. Hier nehmen unsere Oberschüler gemeinsam mit ihren Lehrern eine warme Mahlzeit ein, bevor der Nachmittagsunterricht beginnt.