Enge Kooperation mit dem Eisenzeithaus - Projekt in Venne

Der Bauzustand im August 2008 (Foto: Axel Hartmann, Köln)

 

In unmittelbarer Nähe der Ludwig-Windthorst-Schule wird seit einigen Jahren die Schnippenburg ausgegraben – eine Befestigungsanlage aus der vorrömischen Eisenzeit, die auf das 3. und 2. vorchristliche Jahrhundert zurückgeht. Die archäologischen Ausgrabungen haben sensationelle Funde zutage gebracht.

 Im Zusammenhang mit diesen Ausgrabungen wird seit Mai 2008 am Knostweg an der Darpvenner Diele die Rekonstruktion einer eisenzeitlichen Hofanlage gebaut, auf der Leben, Landwirtschaft und Handwerk vor 2300 Jahren nachvollzogen werden können. Der Arbeitskreis Eisenzeithaus plant und organisiert museumspädagogische Programme und betreut sie am Eisenzeithaus in Venne. Die Vermittlungsarbeit erfolgt im Rahmen von offenen Angeboten für Familien („Sonntagsprogramm“), ein- und mehrstündigen Programmen und Projekttagen für Schulen, Führungen und Kursen. Im Juli 2008 hat die LWS einen Kooperationsvertrag mit dem Arbeitskreis Eisenzeithaus abgeschlossen.

 Schülerinnen und Schüler – insbesondere der Jahrgangsstufen 5 und 6 – nehmen im Rahmen des Ganztagsangebots an einer Arbeitsgemeinschaft am Eisenzeithaus teil; zudem finden regelmäßig Projekttage in Darpvenne statt.

 Ziele der Kooperation sind:

  • Themen der regionalen Geschichte sollen den Schülerinnen und Schülern nahe gebracht werden
  • Fächerübergreifendes und handlungsorientiertes Lernen wird gefördert
  • Verankerung des Eisenzeithauses im Bewusstsein der Bevölkerung als Teil ihrer Geschichte

 Im Rahmen der Ganztagsbetreuung werden verschiedene Projekte in Angriff genommen:

 1) Rennofenprojekt

 Angestrebt werden der Bau und der Betrieb von zwei Rennöfen. Dazu gehören als einzelne Arbeitsschritte:

  • Lehm aufbereiten
  • Brennholz machen
  • Lehmbau
  • Erz suchen und aufbereiten
  • Düsen formen
  • Blasebälge herstellen
  • Fotodokumentation für Präsentation in der Schule

 

2) Keramikprojekt

  • Töpferwerkzeug schnitzen
  • Ton aufbereiten
  • Brennholz machen
  • Brennofen bauen
  • Feldbrand
  • Lampenformen recherchieren
  • Lampen bauen

 

 

Ostercappelner Schüler bauen mit beim Eisenzeithaus Darpenne

Museumspädagoge Christian Böhling berichtete, wie unsere Vorfahren ohne Feuerzeuge ein Feuer entfachten.

 

Projekttage auf dem Areal des künftigen Eisenzeithauses in Venne

egbOstercappeln/Venne

Das „Rätsel Schnippenburg“ lösen in diesen Tagen Schülerinnen und Schüler der Ludwig-Windthorst-Schule Ostercappeln. In Darpvenne, wo im Zusammenhang mit den Ausgrabungen der Schnippenburg ein Wohnstallhaus aus der vorrömischen Eisenzeit nachgebaut wird, packen die Kinder aus den fünften und sechsten Klassen an mehreren Projekttagen fleißig mit an. Sie werden in den nächsten Wochen einzelne Gewerke des Hauses übernehmen, beispielsweise die Flecht- und Putzarbeiten der Innenwände.

Den Anfang machten am Dienstag und Mittwoch die Kinder der 5R2. Sie erführen vom Museumspädagogen Christian Böhling, dass die Schnippenburg vor mehr als 2200 Jahren nicht bewohnt wurde, dass die Archäologen bei den Ausgrabungen aber trotzdem viele hundert Funde machten – vorwiegend Tongefäße und wertvolle Schmuckgegenstände – die auf die Nutzung als Handels- und Kultstätte hindeuten. Schmuckstücke wurden unter fachkundiger Anleitung von Museumspädagogin Tanja Frederike Dicke aus Kupferdrähten und blauen Perlen nachgebaut und durften mit nach Hause genommen werden.

Aus dem Geschichtsunterricht wussten die Schüler bereits, dass das Feuer schon vor vielen tausend Jahren die Menschen vor wilden Tieren schützte und das erlegte Fleisch durch Grillen schmackhafter und haltbarer machte. Wie aber kamen unsere Vorfahren zu ihrem Feuer? Die Schüler erfuhren, dass es mit Feuerstein, Eisenstab, Zunder und Heu gar nicht so schwer ist, Funken zu erzeugen. Jedem einzelnen gelang es mit diesen Utensilien, ein Feuer zu entfachen – gewusst wie!

Projektunterricht an außerschulischen Lernstandorten – der betreuende Geschichtslehrer Dr. Stefan Schubert ist ein Verfechter dieser Methode. Die Schüler lernen hier nicht nur theoretisch aus ihren Büchern, sondern erleben die vergangene Zeit aus eigenen Erfahrungen. Dies macht nicht nur mehr Spaß, sondern prägt sich auch deutlich besser ein als „eingepauktes Wissen“. Der Lernstandort „Eisenzeithaus“ wird in den nächsten Monaten kontinuierlich ausgebaut. Auf dem 3000 qm großen Areal soll gelebt und gearbeitet werden. Typische Nutzpflanzen der damaligen Zeit werden im Garten angebaut und im eingefriedeten Bereich sollen alte Haustierrassen grasen. Auf Schauflächen und Werkplätzen werden Ackerbau und Handwerk anschaulich dargestellt.

Die Mitarbeit am Hausbau soll für die Ostercappelner Schüler nur der Beginn eines Langzeitprojekts sein, denn aus den Plänen in Darpvenne ergeben sich große Chancen: Ralf Langer, Koordinator des museumspädagogischen Dienstes und Dr. Stefan Schubert als Fachvorsitzender Geschichte denken bereits über eine dauerhafte Partnerschaft der Ludwig-Windthorst-Schule mit dem Eisenzeithausprojekt nach. Neben jährlich stattfindenden Projekttagen wären beispielsweise eisenzeitliche Unternehmungen im Nachmittagsangebot der Schule denkbar. An der Euphorie der Kinder mangelt es jedenfalls nicht.

Quelle: Wittlager Kreisblatt vom 21. Mai 2008

Bilder des Projekttages

Wie entfacht man ohne Feuerzeug ein Feuer?
Schmuckherstellung mit Hammer und Amboss
Chiara mit selbst gefertigten Ohrringen
Kimberly und Annika erzeugen Funken
Dominic und Tobias bei der Arbeit
Schülerinnen der 5. Realschulklasse entrinden Eichenstämme, die für den Bau des Eisenzeithauses benötigt werden.